Das krabbelnde Kleinkind – der menschliche Staubsauger

KrabblerAlso bitte, jetzt einmal im Ernst. Über sooo vieles zum Thema Kleinkind wurde schon geschrieben. Aber ich habe gerade ernsthaft das Gefühl die erste zu sein die dieses Thema hier anspricht. Natürlich! Ja, es ist vollkommen normal und gehört auch zur kindlichen Entwicklung dazu, dass diese kleinen wunderbaren, am Boden herumwuselnden Wesen sehr vieles zunächst mit ihrem Mund erkunden. Aber ich persönlich wäre wirklich sehr dankbar gewesen, wenn mir irgendwann einmal jemand gesagt hätte: „Du, übrigens. Sie stecken sich alles in den Mund. Alles. Wirklich alles.“Ja, das wäre wenigstens ein hilfreicher Hinweis gewesen. Ist euch so eine Info denn irgendwo schon einmal unter gekommen? Ich weiß nicht wieviele Artikel ich schon gelesen habe, die thematisieren worauf du dich im ersten Lebensjahr deines Kindes einstellen musst und was sich nicht alles verändern wird. Aber in keinem einzigen stand auch nur annähernd etwas wie: „Dein Kind wird leidenschaftlich gerne deine Schuhe ablecken.“ Und ich seh schon, dafür bin jetzt wohl eindeutig ich da. Also:

Stellt euch schon einmal darauf ein. Euer Kind wird ganz bestimmt, in einem kurzen unbeobachteten Moment den Reifen seines Kinderwagens ablecken. Und zwar mit purer Leidenschaft und Hingabe. Und es wird überhaupt nicht verstehen, warum dir ein leicht hysterisches und etwas angeekeltes „ÜÜÜÜÜhhhhhwwaaaaaaah! Nein, bitte mach das nicht!“ Zumindest war das bei demMax so. Aber dieses seltsame Geräusch aus Mamas Mund in Kombination mit einem äußerst schräg verzogenen Gesichtsausdruck dürften ihn dann doch schnell davon überzeugt haben, dass der Kinderwagenreifen nun doch nicht sooo ableckenswert ist. Das hält ihn aber nicht davon ab, es immer und immer wieder bei anderen Gelegenheiten und anderen Gegenständen zu versuchen.

Ich hatte in der Schwangerschaft ja eine durchaus romantische Vorstellung von meinem ersten Spätfrühjahr/Sommer mit Kleinkind. Ich sah uns entspannt auf einer Decke in der Wiese sitzen, liegen und spielen. Mhmmm. Nein. DerMax konnte sich gerade mal vom Bauch auf den Rücken drehen und umgekehrt, da war es schon seine wichtigste Aufgabe möglichst schnell von der Picknickdecke zu rollen. Umgehend. Sofort. Auf der Stelle. Das war zunächst ja auch ok. Naturbegegnungen haben ja noch keinem geschadet. Aber er hat es mit der Naturbegegnung immer besonders genau genommen und war recht schnell Meister darin, sich alles mögliche Wiesenzeugs in den Mund zu stopfen. Und man möchte gar nicht glauben, was so alles in etwa 30qm Wiese zu finden ist. Gras, Erde, kleine Stöckchen, Steine, Ameisen, Blümchen, Unkraut, … was weiß ich nicht noch alles. DerMax hat jedenfalls ALLES gefunden und gekostet. Ich habe also bereits Monate damit verbracht, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mit meinem Zeigefinger irgendwelche Gegenstände aus desMaxens Mund zu zaubern.
Im übrigen kann man sich als Mama von einem „Krabbler“ auch getrost von dem Gedanken verabschieden, dass die Wohnung sauber ist. Selbst nachdem sie von Oben bis Unten gereinigt wurde. Sie ist nicht sauber. Nie. DerMax hat bestimmt irgendwo einen Flusen/Haare/Staubflocken-Sensor eingebaut. Das funktioniert bestimmt so ähnlich wie diese „Sensoren“ bei Haien, damit sie ihre Beute besser finden. Nicht einmal eine Stunde nach dem großen Wohnungsputz kann ich mir sicher sein, dass derMax zielstrebigst von einem Raum der Wohnung in einen anderen schleicht, um dort in Windeseile irgendetwas in seinen Mund zu stopfen. Und wenn er das geschafft hat, ernte ich ein triumphierendes Grinsen.
Oh ja! Ich könnte hier ewig weiter erzählen.. Mal eben ins Bad gekrabbelt: Schwupps ein Haar, kurz im vorbeikrabbeln den Teppich lüften: Schwupps eine Fluse, im Kinderzimmer hinter dem Sessel verschwinden: Schwupps ein Staubdings, … das Kind beim Einkaufen ins Einkaufswagerl setzen… -Ihr dürft hier eurer Phantasie freien Lauf lassen. Ich verspreche euch, die Ableckmöglichkeiten sind auch hierbei vielseitigst. Und ich verspreche euch auch, wenn ihr ohne Einkaufsliste einkaufen geht fehlt euch am Ende bestimmt mehr als die Hälfte. Ihr seid nämlich so damit beschäftigt den Mund eures Kindes vom Einkaufswagen fernzuhalten, dass der Einkauf an sich schon ziemlich zur Nebensache werden kann. 😉

Aber nach solchen Erlebnissen entwickelt man eine gewisse zusätzliche Leichtigkeit und nimmt es wirklich überhaupt nicht mehr tragisch wenn z.B. ein Stückchen Banane auf dem Boden landet. -Die „drei Sekunden Regel“ gilt immer. Auch wenn es mehr als drei Sekunden sind. Denn in dem Moment hat man immer sein Kind vor Augen, dass begeistert an seinem Kinderwagenrad leckt. 😉

Ein Gedanke zu „Das krabbelnde Kleinkind – der menschliche Staubsauger

  • 19. Oktober 2018 um 16:01
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    Wieder herzlichst lachen können , und mich an viele meiner eigenen Kreischattaken erinnert, die derMax einfach mit „den Kulleraugen in denen zu lesen war, was hat sie nur jetzt schon wieder “ quittiert hat 😅

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